ABC-Analyse

Bei der Rationalisierung kommt es darauf an, sich mit solchen Erzeugnissen und Materialien zu befassen, die einen hohen Anteil am Umsatz des Unternehmens haben. Ein besonders einfaches Hilfsmittel für die Auswahl solcher Erzeugnisse ist die sogenannte ABC-Analyse. Die ABC-Analyse ist ein Hilfsmittel um komplizierte Sachverhalte überschaubarer zu machen und Schwerpunkte zu setzen. Sie findet vorallem im Bereich der Logistik und bei Rationalisierungsmaßnahmen, sowie in der Materialwirtschaft ihre Anwendung.

 

Bei der Analyse des Produktionsprogramms stellt man immer wieder fest, daß ein großer Teil des gesamten Umsatzes von einem kleinen Teil wichtiger Erzeugnisse bestritten wird, und daß umgekehrt ein kleiner Teil des Umsatzes auf eine größere Zahl weniger wichtiger Erzeugnisse zurückgeht.

Folglich unterscheidet man:

 

A-Teile - Das sind die aus der Sicht des Umsatzes, aus der Sicht des Gewinnes, aus der Sicht des Deckungsbeitrages oder aus der Sicht der Kosten wichtigen Produkte.

B-Teile - Das sind die eher weniger wichtigen Produkte

C-Teile - Das sind die unwichtigen Produkte mit geringerem Umsatzanteil

 

Analysen ergeben erfahrungsgemäß in etwa folgende Werte:

 

A-Teile

B-Teile

C-Teile

Umsatzanteil in %

80

15

5

 

 

 

Ordnungskriterien für die jeweiligen Teile können z.B. sein:

    Kosten pro Stück oder Einheit

    verkaufte Menge pro Jahr

    Verbrauchswert von Produkten (z.B. Reinigungsmittel, Klopapier,...)

    Umsatz-, Gewinn- und Deckungsbeitrag (pro Jahr)

 

Beispiel:

Aus diesem Beispiel folgt, daß man die Rationalisierung am besten bei den Erzeugnissen B und F beginnt. Dabei wird unterstellt, daß der prozentuale Anteil der Selbstkosten am Verkaufspreis in etwa gleich ist.

 

Mit der ABC-Analyse wird sozusagen das Mengen-Wert-Verhältnis ermittelt. Diese Klassifikation hat ebenfalls entscheidenden Einfluß auf die Wahl der Methode der Bedarfsermittlung. Der Bedarf eines teuren Materials (A-Teil) wird meistens deterministisch ermittelt, während der Bedarf der billigeren Materialien (C-Teile) verbrauchsbezogen errechnet wird.

 

 

RSU-Analyse

Bertrachtet man die Verbrauchsstruktur der Materialien, so stellt man im wesendlichen drei Gruppen fest:

    Materialien mit regelmäßigem Verbrauch (Gruppe R)

    Materialien mit schwankendem Verbrauch (Gruppe S)

    Materialien mit völlig unregelmäßigem Verbrauch (Gruppe U)

 

 

Wert

 

 

A-Teile

 

B-Teile

 

C-Teile

 

Vorhersage-

genauigkeit

 

 

 

hoher Wert

 

mittlerer Wert

 

niedriger Wert

 

 

 

 

R-Teile

 

hohe Vorhersage-

genauigkeit

 

(konstanter

Verbrauch)

 

deterministische Sekundärbedarfs-

ermittlung

 

terminbezogene

Beschaffungs-

auslösung

 

 

stochastische

Sekundärbedarfs-

ermittlung

 

terminbezogene

Beschaffungs-

auslösung

 

 

 

 

 

 

S-Teile

 

mittlere

Vorhersage-

genauigkeit

 

(steigender oder

fallender

Verbrauch)

 

deterministische Sekundärbedarfs-

ermittlung

 

bestands- und

bedarfsbezogene

Beschaffungs-

auslösung

 

 

 

 

fallweise wie

A- oder C-Teile

behandeln

 

stochastische

Bedarfsermittlung

 

termin- und/oder

bestandsbezogene

Beschaffungs-

auslösung

 

 

 

 

 

U-Teile

 

niedrige

Vorhersage-

genauigkeit

 

(unregelmäßiger

Verbrauch)

 

deterministische Sekundärbedarfs-

ermittlung

 

bedarfsbezogene

Beschaffungs-

auslösung

 

 

stochastische

und/oder

 

deterministische

Bedarfsermittlung

bedarfs- und

bestandsbezogene

Beschaffungs-

auslösung

 

Auswirkung der ABC-RSU-Analyse auf Anwendung von Methoden der Materialbewirtschaftung

Eine Differenzierung der Bereitstellungsmaßnahmen für die einzelnen Materialien erscheint angebracht. In vielen Fällen erweist es sich als sinnvoll, die Gliederung der beiden Kriterien zu kombinieren. Eine solche Kombination der ABC-RSU-Analyse führt zu neuen Materialklassen, die einer Differenzierung der Bereitstellungsmaßnahmen zugrunde gelegt werden können.

 

 

Begrifferklärung:

stochastisch - statistisch

stochastische Bedarfsermittlung - Sie besteht in einer statistischen Bestimmung des periodenbezogenen Materialbedarfes, indem aus den Verbrauchswerten der Vergangenheit auf den zukünftigen Bedarf geschlossen wird.

deterministisch - auf Stück bezogen

deterministische Bedarfsermittlung - Sie besteht in der exakten Bestimmung des Materialbedarfs nach Menge und Termin und dient in erste Linie der Ermittlung des Sekundärbedarfes bei bekanntem Primärbedarf.